13 neue Wege zum persönlichen Glück

Glück ist kein Zufall, sondern eher eine Frage der Einstellung - sagen amerikanische Wissenschaftler. Jetzt enträtselt: die Geheimnisse glücklicher Menschen. Lesen Sie, wie einfach es ist, fröhlicher leichter und glücklicher zu leben

 

Jedem Bürger in den USA ist das Recht auf Glückssuche („pursuit of happiness") verfassungsmäßig garantiert. Deshalb gibt es dort - einzig auf der Welt - eine wissenschaftliche Richtung, die sich „Glücksforschung" nennt. Zu den Größen dieses Faches zählen die Professoren Ed Diener (University of Illinois), David Myers (Hope College, Michigan), Martin Seligman (Uni Pennsylvania) und Mihaly Csikszentmihalyi Uni Chicago). Sie erfor­schen, weshalb manche Leute fröhli­cher, leichter, glücklicher leben - und was jeder davon lernen kann. Denn mit Alter, Geschlecht. Herkunft, Wohnort, Reichtum oder Bildung hat das Glücksgefühl nichts zu tun. Nicht einmal mit den großen Ereignissen des Lebens. Womit dann? Hier kommt die Antwort. Pünktlich zum neuen Millennium haben die Experten eine Summe ihrer Erkenntnisse vorgelegt. Hier sind sie: die 13 Wege zum persönlichen Glück:

 

1. Glückliche hadern nicht mit dem Schicksal.

„Es ist nicht so, dass manche Leute mehr; Glück haben als andere", erklärt Martin  Seligman. .“Die Glücklichen gehen nur anders mit den Ereignissen um. Sie fragen zum Beispiel nicht .“Warum?“, sondern ,“Wozu?“. Menschen, die leichter leben, haben genauso viel Pech wie andere. Aber sie hadern nicht lange: Warum passiert mir das? Sondern fragen: Wozu ist das gut? Wie kann ich das Problem lösen? Mit anderen Worten: Sie denken nicht problemorientiert, sondern lösungsorientiert."

2. Der Risiko-Faktor

Zunächst ist das überraschend: Leute, die leichter leben, machen es sich nicht bequem. Im Gegenteil, sie verlassen immer wie­der ihre Komfortzone. So wird der Bereich im Leben genannt, der gewohnt und automatisiert ist, der sicher scheint, der einen immer wieder bestätigt. Seligman: „Wachstum zum Glück findet außerhalb der Komfort­zone statt. Wer nie scheitert, entwickelt sich nicht und kann auch nicht glücklich werden, denn ihm fehlt die Erfahrung der eigenen Stärke."

3. Der Freundschafts-Beitrag

Beziehungen zu pflegen ist ein Weg zum Glück. Viele Leute zu kennen bringt dagegen gar nichts, ermittelten die Glücksforscher. Professor Seligman: „Es kommt auf das Gefühl der Verbundenheit an. Und das kann nur mit einer begrenzten Zahl von Menschen entstehen. Nur solche Beziehungen stärken das Vertrauen, das Gefühl des Aufgehobenseins." Glücklichen Menschen gemeinsam ist das Talent zur Freundschaft. Seligman: .Das bedeutet Regelmäßigkeit, bedeutet Pflege, bedeutet Initiative. Und Auswahl: Glück­liche Menschen umgeben sich mit unterstützenden Leuten. Und reduzieren den Kontakt zu Miesmachern."

 4. Der Arbeits-Kick

Glück entsteht nicht bei Faulenzern, sondern bei hingebungsvollen Arbeitern. Professor David Myers: „Konzentrierte Aktivität mobilisiert das körpereigene Glückshormon Serotonin." Vorausgesetzt, die Aktivität entspricht der eigenen Begabung. Doch die meisten Menschen, fänden die Forscher, unterschätzen ihre Begabungen. Myers: „Finden kann man seine Talente nur durch das Ausprobieren neuer Anforderungen, also durch Arbeit." Nichts ist so trügerisch wie die Schlaraffenland-Lüge. Unterforderung macht unglücklich.

5. Der Medien-Verzicht

Fröhliche Leute verbringen nicht einmal ein Fünftel so viel Zeit vor dem Fernseher wie Durchschnittsbürger. Und sie lesen seltener die Tageszeitung. Die Erklärung der Glücksforscher Fernsehen und Tagespresse erreichen ihre Quoten mit Katastrophen, Morden. Bad News. Wer darauf verzichtet, hat ein helleres Weltbild. Und der Londoner Physiologe Professor Leon Kaplan hat herausgefunden: Fernsehen leert den körpereigenen Speicher des Wohlfühl-Hormons Endorphin. Wer drei Stunden ferngesehen hat, kann sich unmöglich noch leicht und fröhlich fühlen - egal, was er gesehen hat.

6. Das Ziel-Programm

Glückliche Menschen haben eine Vision - etwas, wofür sie leben. Und dass sie morgens aus dem Bett springen lässt. Woher? Professor Ed Diener: „Sie setzen sich selbst immer wieder Ziele. Langfristige Ziele, die sich in kleinen Schritten erreichen lassen. Wir überschätzen meist, was wir in kurzer Frist erreichen können. Und unterschätzen, was auf lange Sicht möglich ist." Die Ziele sollten konkret formuliert werden, und zwar schriftlich, etwa im Tagebuch. Und sie sollten überprüfbar sein. Also nicht „Ich werde mehr für meine Gesundheit tun", sondern "Ab l. Februar jogge ich dreimal pro Woche".

7. Der Motivations-Effekt

Leute, die fröhlicher leben, können sich selbst motivieren. „Gewöhnlich lassen sich Menschen nur von Freuden und Spaß locken. Die glücklicheren Leute nehmen hingegen auch Frust, Angst und Arger als Motivation", erläutert Professor David Myers. „Sie erkennen Ärger als Lernchance. Sie sehen, dass hinter jeder Schwäche eine Stärke steckt. Und dass Menschen an Widerständen wachsen." Letzteres konnte Professor Myers medizinisch nachweisen: Wer Probleme meidet, schrumpft. „Vierzehn Tage reiner Relax-Urlaub senken die geistige Wachheit und damit die Glücksfähigkeit um zwanzig Prozent."

8. Das Clearing-Programm

Glückliche packen Probleme an. Die Forscher fanden unter den glücklichen Menschen so gut wie keine Chaoten. „Ordnung - zumindest im Geist -gehört zum Lebensgefühl der Leichtig­keit", sagt Professor Ed Diener. „Die Glücklichen fällen Entscheidungen schneller und deutlicher, gehen lieber das Risiko falscher Entscheidungen ein, statt hinauszuzögern und aufzuschieben. Sie erledigen, was ansteht, statt es anzuhäufen. Wer aufräumt und Liegengebliebenes anpackt, fühlt sich nicht als Opfer, sondern als Gestalter seines Schicksals, und das gehört wesentlich zum Glück."

9. Der Zeitlosigkeits-Effekt 

Glückliche Leute leben im Augenblick. Und haben deshalb nur selten das Gefühl, die Zeit entgleite ihnen. Laut Mihaly Csikszentmihalyi liegt das erstens an der Fähigkeit zur Konzentration: „Wer in dem aufgeht, was er gerade tut, bewegt sich in einer Sphäre der Zeitlosigkeit." Und zweitens an einer feineren Körperwahrnehmung. Vorschlag von Csikszentmihalyi; alle anderthalb Stunden für neunzig Sekunden sich bewusst zu sammeln und zu fühlen, wie der Atem geht. wie die Haltung ist, was sich im Körper tut. Denn „wer immer wieder aus den Gedanken zurück in den Körper kommt, ist präsent und trainiert, im Augenblick zu leben".

 

10. Der Akku-Trick

Menschen, die leichter leben, können sich auch mal etwas Gutes tun. Dazu Professor Ed Diener: „Die Glücklichen wissen, wie sie ihren Energiespeicher schnell wieder auffüllen können." Sie nutzen etwas, das die Forscher Akku-Liste nennen. Eine individuelle Zusammenstellung von Dingen, die Energie bringen. Dazu kann etwa gehören: Mozart hören. ein heißes Bad nehmen, etwas Schönes kaufen, essen gehen, sich massieren lassen, meditieren, jemanden beschenken etc. Professor Diener: „Wir raten jedem, sich eine Akku-Liste anzulegen. Und zwar schriftlich - damit sie da ist, wenn die Gedanken im Düsteren kreisen."

 

11. Der religiöse Faktor

Religiöse Menschen sind glücklicher. David Larson, Chef des US Health Research Institutes, kann das statistisch nachweisen. Vermutete Gründe: Der Glaube verleiht dem Leben Sinn, gibt das Gefühl des Behütetseins - jedenfalls dann, wenn die Religion keinen Zwang ausübt und keine Schuldgefühle hervorruft. Welche Religion wirkt besonders positiv und ermutigend? „Jede", meint Professor David Myers. „Grundsätzlich gilt: Menschen, die einen Sinn in ihrem Leben sehen, die sich an verbindliche Wertvorstellungen halten, sind glücklicher - und obendrein auch noch gesünder als andere.

 

12. Das Element Dankbarkeit

Die Glücklichen sind dankbarer. Liegt's daran, dass sie im Leben einfach mehr Glück haben? Nein, meint Professor Mihaly Csikszencmihalyi, es ist genau umkehrt: Sie sind glücklich, weil sie dankbar sind. Hier die Erklärung: Menschen, die mit dem Schicksal hadern, richten ihre Aufmerksamkeit auf das, was sie unzufrieden macht. Die Glücklichen hingegen haben ihren Blick trainiert für die Dinge, die erfreulich sind." Das lässt sich nachmachen. „Wer sich jeden Tag aufzählt, wofür er dankbar sein kann, schärft seine Wahrnehmung für die angenehmen Seiten seines Lebens, denkt, fühlt, lebt immer fröhlicher."

 

13. Die Fitness-Komponente

Glückliche Menschen sind sportlich. Es gibt zwar auch Dicke, die glücklich sind aber sie gehören zu den Ausnahmen. Fitness, fanden die Forscher heraus, trägt zum Glücksgefühl bei. Professor David Myers: „Niedergeschlagenheit, Leeregefühl, Konzentrationsstörungen werden durch Bewegung beiseite gefegt."  Denn Ausdauersportarten aktivieren Endorphine, das sind körpereigene Glücksstoffe. Die erhöhte Sauerstoffzufuhr sorgt für eine bessere Ausnutzung der Gehirnkapazität. Außerdem werden beim Schwitzen depressionsfordernde Substanzen ausgeschieden. Und nicht zuletzt stärkt ein fitter, schlanker und durchtrainierter Körper ganz erheblich das Selbstbewusstsein

 

[Quelle: FÜR SIE, 02.2000]


Schlechtes
Gewissen
machen

Von
HELMUT VOLLMER
Dipl.-Psychologe
Ev. Kirche

Es gibt eine Masche jemand herabzusetzen und ihn in schlechte Stimmung zu bringen: man hängt ihm ein schlechtes Gewissen an. Das machen leider auch manche Eltern mit ihren Kindern. Das Schlimme daran ist, dass es den Erziehern nicht immer bewusst ist, was sie damit anstellen. Schlechtes Gewissen kann, wenn es berechtigt ist, eine innere Wandlung des Angesprochenen bewirken. Wenn aber bei jeder Kleinigkeit gedroht wird, wie schuldig sich der Betroffene gemacht hat, dann gibt es für diesen zwei Möglichkeiten: Abschalten oder nach vergeblicher Abwehr depressiv werden. Ich habe Menschen kennengelernt, die durch das ständige Gemäkel an ihnen ein angeschlagenes Selbstbewusstsein entwickelt hatten und sich nichts mehr zutrauten. Es mag komisch klingen: Schuldgefühle können „vererbt" werden. Mit dieser Waffe kann man die Kinder klein halten. So ist es den Eltern (und deren Eltern) aber auch ergangen: Sie durften als Kind nie recht haben und wurden gekuscht. Heute passiert dies auch in unserer Gesellschaft. So werden unter dem Deckmantel der Demokratie und Solidarität wichtige Bedürfnisse abgewürgt. Einige wollen sich auf Kosten anderer entlasten und bereichern anstatt sich selbst zu hinterfragen, welchen unerledigten Ballast sie mit sich herumschleppen, - Eigener Schmerz, Wut und Trauer werden nicht aufgearbeitet, sondern auf andere abgeschoben. Denn hinter den Schuldgefühlen stehen meist verdeckte Aggressionen, an die man nicht so einfach heran kann, weil sie das Selbstgefühl erschüttern würden. Am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen? Ja, das könnte Frieden bedeuten - nicht nur für einen selber.